Historischer Hintergrund

Das Franchising an sich ist eine Erfindung der USA. Dort wurden Geschäftsbeziehungen die auf vier Grundlagen beruhten erstmals als Franchising bezeichnet. Zu diesen zählten eine zeitlich begrenzte Zusammenarbeit, ein Austausch von einem Geschäftskonzept und einer Marke gegen Nutzungsgebühren, eine Unterstützung des Franchisenehmers in Aufbau und Führung des Unternehmens sowie eine selbständige Umsetzung des Geschäftskonzepts durch den Franchisenehmer. Hier betraf Franchising lediglich Produkte, deren Herstellung und Verkauf über Franchise. 1950 entstanden die ersten Franchisesysteme, die ganze Hotellerie-, Gastronomie- und Handelskonzepte betrafen. Als der enorme Konsumbedarf der Nachkriegszeit abflaute und die Kunden wieder wählerisch wurden, konnten Franchise- Systeme ihre Vorzüge erst richtig zur Geltung bringen. Dem modernen Franchising gelang dann in den 70 er Jahren der Durchbruch.  Es gab dutzende neuartige Systemanbieter, selbst Traditionsunternehmen gewannen durch Franchising wieder neuen Schwung. Die Kombination aus einem erprobten Leistungspakte eines professionellen Systemanbieters und die Leistungsbereitschaft ausgewählter Existenzgründer erwies sich als überaus erfolgreich. In Zukunft wird es immer einfacher, Franchise-Systeme auch über nationale Grenzen hinweg zu entwickeln.  Somit wird es möglich nationale Identitäten oder gesellschaftliche Besonderheiten auch in einer europäischen Dimension als Erfolgsbaustein zu nutzen. Die neuesten Trends hierbei sind: Greenfranchising, Microfranchising und Socialfranchising.

Die offizielle Definition des Bergriffs “Franchising” der European Franchise Federation (EFF) lautet:


„Franchising ist ein Vertriebssystem, durch das Waren und/oder Dienstleistungen und/oder Technologien vermarktet werden. Es gründet sich auf eine enge und fortlaufende Zusammenarbeit rechtlich und finanziell selbständiger und unabhängiger Unternehmen, den Franchisegeber und seine Franchisenehmer. Der Franchisegeber gewährt seinen Franchisenehmern das Recht und legt ihnen gleichzeitig die Verpflichtung auf, ein Geschäft entsprechend seinem Konzept zu betreiben. Dieses Recht berechtigt und verpflichtet den Franchise-Nehmer, gegen ein direktes oder indirektes Entgelt im Rahmen und für die Dauer eines schriftlichen, zu diesem Zweck zwischen den Parteien abgeschlossenen Franchise-Vertrags bei laufender technischer und betriebswirtschaftlicher Unterstützung durch den Franchise-Geber, den Systemnamen und/oder das Warenzeichen und/oder die Dienstleistungsmarke und/oder andere gewerbliche Schutz- oder Urheberrechte sowie das Know-how, die wirtschaftlichen und technischen Methoden und das Geschäftssystem des Franchise-Gebers zu nutzen.”

Know-how bedeutet ein Paket von nichtpatentierten praktischen Kenntnissen, die auf Erfahrungen des Franchise-Gebers und Erprobungen durch diesen beruhen und die geheim, wesentlich und identifiziert sind.

Geheim bedeutet, dass das Know-how in seiner Substanz, seiner Struktur oder der genauen Zusammensetzung seiner Teile nicht allgemein bekannt oder nicht leicht zugänglich ist; der Begriff ist nicht in dem engen Sinne zu verstehen, dass jeder einzelne Teil des Know-hows außerhalb des Geschäfts des Franchise-Gebers völlig unbekannt oder unerhältlich sein müsste.

Wesentlich bedeutet, dass das Know-how Kenntnisse umfasst, die für den Franchise-Nehmer zum Zwecke der Verwendung des Verkaufs- oder des Weiterverkaufs der Vertragswaren oder -dienstleistungen unerlässlich sind. Das Know-how muss für den Franchise-Nehmer unerlässlich sein; dies trifft zu, wenn es bei Abschluss der Vereinbarung geeignet ist, die Wettbewerbsstellung des Franchise-Nehmers insbesondere dadurch zu verbessern, dass es dessen Leistungsfähigkeit steigert und ihm das Eindringen in einen neuen Markt erleichtert.

Identifiziert bedeutet, dass das Know-how ausführlich genug beschrieben sein muss um prüfen zu können, ob es die Merkmale des Geheimnisses und der Wesentlichkeit erfüllt; die Beschreibung des Know-hows kann entweder in der Franchise-Vereinbarung oder in einem besonderen Schriftstück niedergelegt oder in jeder anderen geeigneten Form vorgenommen werden.“

Quelle: Ethikkodex 2004 der European Franchise Federation (EFF)

Formen des Franchisings

Hauptsächlich unterscheidet man zwischen drei Lizenzformen des Franchisings:

1) Einzelfranchising: Dies ist die klassische Form des Franchising, dabei hat jeder Franchise-Nehmer nur eine einzelne Lizenz und hat damit nicht die Möglichkeit mehrere Filialen zu betreiben. Mit dieser Maßnahme sollen regionale Machtkonzentrationen bei einzelnen Franchise-Nehmern vermieden werden.

2) Multi-Unit Franchising: Stellt für Franchise-Nehmer die Möglichkeit dar, mehrere Franchise- Standorte bzw.- Betriebe zu eröffnen. Als Multi- Unit- Franchisenehmer liegen die Aufgabenbereiche des Unternehmens hauptsächlich im Management aller Standorte und weniger im Geschäftsalltag der einzelnen Betriebe. Meist werden für jeden Standort eigene Manager und MitarbeiterInnnen zur Erledigung des Tagesgeschäfts eingestellt.

3) Master Franchising: Das Prinzip des Master-Franchising besteht darin, Vertriebsrechte und Lizenzen an einen Franchise-Partner, den so genannten „Master-Partner“ zu vergeben. Dieser akquiriert dann in weiterer Folge weitere Franchise- Partner.

Die Gründung einer eigenen Existenz, sei es im Rahmen von Franchising mit anderen Formen der Existenzgründung, ist ein Schritt mit weitreichenden Folgen und muss gründlich überlegt werden. Bevor Sie sich auf ein solches Abenteuer einlassen, müssen Sie genau hinterfragen, ob die Existenzgründung tatsächlich der richtige Weg für Sie ist. Es ist nicht jedermanns Sache, sein eigener Herr zu sein oder Verantwortung für Angestellte zu übernehmen.

Franchising hat aber im Vergleich zur Existenzgründung auf der grünen Wiese einige Vorteile

Mehr Sicherheit: Eine Gründung im Franchise-Bereich besitzt im Vergleich zu anderen Formen der Existenzgründung durch die aktive Kooperation zwischen Franchise-Nehmer und Franchise-Geber den Vorteil, dass Sie eine höhere Sicherheit bietet. Die Nutzung einer mehrfach erfolgreich umgesetzten Geschäftsidee minimiert das Risiko eines Scheiterns.

Eine starke Marke: Die meisten Franchise-Systeme sind bereits überregional aktiv, womit sich der Bekanntheitsgrad der Unternehmensmarke bereits auf einem höheren Niveau etabliert hat, somit entfällt der mühsame Aufbau des Images und der Bekanntheit  zu Beginn.

Einheitliches Auftreten: Ein einheitliches Auftreten aller Franchise- Nehmer eines bestimmten Systems nach außen erhöht den Wiedererkennungseffekt und fördert Besucherfrequenz, Marktakzeptanz und als Folge den Absatz. Auch die aufeinander abgestimmte Werbung fördert den Wiedererkennungseffekt bei Kunden, senkt die Kosten für Werbeaufwendungen gegenüber einer anderen Gründungsform und besitzt einen größeren Reichweiteradius.

Fertiges Geschäftsmodell: Für jegliche Dinge, die Sie beim Betreiben Ihres Geschäftes benötigen, liegen fertige und erprobte Pläne vor, die sich bereits als erfolgreich erwiesen haben. Des Weiteren existieren Strategien, Vorgehensweisen, Ausstattungslisten, Marketingkonzepte, die ihnen zudem einen enormen Zeitaufwand ersparen.

Laufende Unterstützung und Servicierung: In unserer Informationsgesellschaft sind sowohl Know-how als auch Wissen stark erfolgsbestimmende Faktoren. Der jeweilige Franchise- Geber richtet Kenntnisse und Erfahrungen sowie Weiterentwicklungen des Systems in Form von Schulungen und Weiterbildung an Sie weiter, um so unternehmerische Risiken zu minimieren.